Notiz zu den Bewohnern von Qumran

Die Höhlen von Qumran befinden sich am Toten Meer, es ist eine regelrechte Steinwüste, wie auf jedem Foto erkannt werden kann. Die Qumran-Essener waren weit radikaler als die Pharisäer. Jesus hätte ihnen im Gleichnis nicht sagen können, dass niemand sein Schaf am Sabbat ertrinken lässt, sondern es aus der Grube herauszieht. Die Qumranleute hätten das Schaf ertrinken lassen! In Qumran wurden Schriften verfasst in der Zeit von 250 v. C. bis 70 n. C., denn da wurde die Siedlung im jüdischen Krieg von den Römern grausam zerstört. Die Rollen der Schriften waren in den Höhlen untergebracht und wurden vergessen, bis sie 1947 durch einen Beduinen entdeckt wurden. Die Leute aus Qumran haben nicht nur biblische Schriften abgeschrieben. Die hebräischen Schriften, wie sie in unserem AT stehen, machen grob gesprochen nur den vierten Teil der Literatur von Qumran aus. Die übrigen drei Teile werden durch teilweise gut erhaltene Manuskripte abgedeckt, die die religiöse Eigenart von Qumran wiedergeben. Bei den Leuten von Qumran handelt es sich um Juden, die aber teilweise regelrechte Extremisten in ihrer Absonderung waren. Die Schriften vereinen sehr verschiedene Ansichten.  Es wird bestritten, dass die Leute von Qumran als „Sekte“ bezeichnet werden dürfen. Diese Streiterei überlasse ich Leuten, die gerne streiten. Es ist auch völlig uninteressant, denn nicht jeder, der einen biblischen Text abschreibt, muss deshalb zwangsläufig „fromm“ sein. Das hat schließlich auf die Qualität der Schriften keinen Einfluss. Die Sektenschriften lasse ich unbeachtet, weil sie für die Textüberlieferung von Jesaja 53 ohne Aussage sind. Biblische Schriften sind für die Textüberlieferung höchst interessant, weil beispielsweise in Höhle 4 eine Handschrift zu Samuel 1 entdeckt wurde, die den von der hebräischen Bibel abweichenden Text der Septuaginta (griechische Übersetzung) als hebräischen Text enthält. So wird eine treue Überlieferung der Septuaginta bestätigt, denn sie hat nicht ihre Textvorlage zu frei übersetzt, sondern sie hat eine etwas abweichende hebräische Textvorlage übersetzt, die in unserer Bibeln nicht erfolgreich war. Aber auch das ist für Jesaja ohne Bedeutung und nur Abschriften, die Jesaja 53 enthalten, werden von mir beachtet.

Die hebräische Bibel genoss hohen Respekt bei den Juden

Die Situation bei der hebräischen Bibel, dem TaNaKh (Tanach) ist völlig anders als bei griechischen Bibeltexten, denn bei den Juden wurde die hebräische Bibel höher geschätzt als die griechische Bibel bei den Christen. So hat sich ein Mönch aus dem Pergament eines Neuen Testaments Schuhe hergestellt, während ein zerlesenes hebräisches Altes Testament rituell beerdigt wurde. Die Schreiber (Sopherim) haben die Buchstaben abgezählt, damit ein neuer Tanach auch fehlerfrei war. Allerdings erst im Mittelalter hat man die Vokalisation hinzugefügt, weshalb hebräische Bibeln zur Zeit Jesu nur aus Konsonanten bestanden. Das lässt sich sehr schön sehen an den Rollen von Qumran, denn die Siedlung von Qumran bestand ja nur bis zum jüdischen Krieg, das heißt knapp bis zum Jahr 70 unserer Zeitrechnung. Die Handschriften aus Qumran weisen nämlich noch keine Vokalisation auf. In Qumran gab es mehrere Versionen hebräischer Texte nebeneinander. Die große Jesaja-Rolle hat eine recht verwilderte Schreibung, während die schlechter erhaltene kleine Jesaja-Rolle mit einem mittelalterlichen Text verglichen kaum mehr Varianten hat, als sich beim Vergleich zweier mittelalterlicher Handschriften untereinander auch ergeben. Die ältesten vollständig erhaltenen Handschriften aus dem Mittelalter sind etwas nach 1000 entstanden, wir haben also eine Lücke von fast 1000 Jahren, aus denen Texte fehlen. Es bestanden längere Zeit mehrere Versionen neben einander, aber im Mittelalter war die Überlieferung einheitlich.

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