Übersicht über die Rollenfragmente

Über die Rollenfragmente, die in Höhle 4 Text aus Jesaja 53 enthielten, gebe ich auf dem folgenden Bild eine grobe Übersicht. Es sind drei Rollen, die einige Verse aus Jesaja 53 aufweisen. Schon wegen ihrer geringen Größe sind sie kaum von Bedeutung.

Bei Rolle c ist auffällig, dass das Tetragramm (=die 4 Buchstaben des Gottesnamens JHWH) in althebräischen Buchstaben geschrieben ist, aber damit ist leider nichts über die Aussprache ausgesagt, denn gerade durch die Hervorhebung könnte beabsichtigt sein, dass ein Ersatz durch Adonaj (=Herr) angezeigt wird. Das Tetragramm in althebräischen Buchstaben ist auch in 53,7 belegt. Leider ist die Rolle recht stark zerfallen, die Sichtbarkeit von JHWH in Vers 7 ist gering. Bemerkenswerte Varianten zu Jesaja 53 sind mir an den vorhandenen Resten nicht aufgefallen.                            

Nur Rolle d hat einigere wichtigere Lesarten. Die Rolle stammt von einem Schreiber aus der Mitte des ersten christlichen Jahrhunderts, also gegen Ende der Existenz der Siedlung in Qumran. Interessant ist, dass eine Schreibung von Vokalbuchstaben noch geringer ist als im massoretischen Text, wie er in den hebräischen Bibeln abgedruckt ist. Über die unsichere Lesart „sein Volk“ in 53,8 spreche ich nach der Übersicht. Die gleiche Lesung könnte 1QIsaa  vertreten und das Problem ist dasselbe. An der Stelle in 53,10, die ich mit „Wahrhaftig“ übersetzte, könnte Rolle d eine eigene Lesung vertreten, aber es lohnt nicht, darauf weiter einzugehen.

Eine Lesarten der Rolle ist mit Sicherheit wichtig, denn sie hat in 53,11 die Hinzufügung „Licht“ wie die beiden Rollen aus Höhle 1, womit die Ursprünglichkeit diese Lesung immer wahrscheinlicher wrd.

Aus ästhetischen Gründen füge ich die Übersicht über die Rollen als Bild ein, denn hochgestellte Buchstaben lassen sich auf einer Website nicht eintippen. Schon bei 1QIsaa und 1QIsab hätte ich den letzten Buchstaben gerne hochgestellt.

4QIsa zu Jesaja 53
4QIsa zu Jesaja 53

Wenn „mein Volk“ für den Tod des Knechtes verantwortlich ist, kann der Knecht mit Sicherheit keine Bezeichnung für das Volk Israel sein (kollektive Deutung). Diese Deutung ist zwar auch schwierig, wenn „sein Volk“ den Tod verursacht hat, aber es ist nicht ganz unmöglich, den Knecht nun als kollektive Bezeichnung zu deuten. Bardtke hat in seiner Übersetzung der großen Jesaja Rolle diese Übersetzung verwendet. Auch  der erste Herausgeber der Rolle (Burrows 1950) hat in seiner Transkription (Urtext in gedruckten Buchstaben) den Buchstaben als Jod interpretiert, nicht als Waw, wie es für die Übersetzung „mein Volk“ in unseren Bibeln erforderlich wäre. Ein Buchstabe entscheidet somit zwischen zwei unterschiedlichen Übersetzungen. Problematisch ist nur, dass sich die beiden Buchstaben im Wesentlichen in ihrer Länge unterscheiden. Die von mir verwendete, neuere Ausgabe von Parry/Qimron (Parry, Donald W. und Qimron, Elisha: The Great Isaiah Scroll ... Leiden, Boston, Köln 1998) bietet dagegen als Transkription das Waw an. Genau dasselbe Phänomen ist mir bei 4QIsad begegnet. Herbert Haag (Haag, H.: Der Gottesknecht bei Deuterojesaja, Darmstadt 1985, S. 14) bietet unter bemerkenswerten Varianten die Lesung mit Jod bei diesem Fragment an, das mit der großen Rolle übereinstimmt. In einer neueren Textausgabe (DJD XV, 1997) wird aber bemerkt, dass der Buchstabe in 4QIsad einem Jod ähnlicher ist als einem Waw. Unterscheidungen zwischen Jod und Waw sind  bei Qumrantexten unsicher, die Lesung von Bardtke in 53,8  „sein Volk“ würde gegen die Lesung von Parry/Qimron sprechen, aber ich möchte mich für keine Lesung entscheiden, weil die Unsicherheit eben zu groß ist. Aber was noch nicht einmal mit hinreichender Sicherheit gelesen werden kann, darf getrost ausgeklammert werden.

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