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QUMRAN - JESAJA ROLLEN
QUMRAN - JESAJA ROLLEN

Die große Jesaja Rolle aus Höhle 1(1QIsaa) von Qumran ist berühmt geworden. Von ihrem Alter her könnte Jesus in dieser Rolle gelesen haben. Damit Besucher sich einen Eindruck vom guten Erhaltungszustand der Rolle machen können, habe ich einen Scan von Jesaja 53 angefertigt und Versangaben hinzugesetzt. Unter „1QIsaa-Bardtke“ ist der Text von Jesaja 53 nach der großen Qumran Rolle übersetzt. Die Übersetzung von Bardtke (1953) wird aufgearbeitet und auch eine eigene Übersetzung „1QIsaa-eigÜbersetzung"angeboten. Die große Jesaja Rolle enthält bis auf sehr kleine Textverluste durch den alterungsbedingten Zerfall den ganzen Text des Propheten Jesaja und ist satte 1000 Jahre älter als die mittelalterlichen Texte, auf die wir ansonsten bei der hebräischen Bibel angewiesen sind. Die Rollen aus Qumran werden ganz speziell in ihrer Aussage für Jesaja 53 besprochen.

 

Aber nicht nur die große Jesaja Rolle wird im Hinblick auf Jesaja 53 besprochen, sondern auch die kleine Jesaja-Rolle aus Höhle 1(1QIsab) wird beachtet und auf die Fragmente aus Höhle 4 wird ein Blick geworfen. Aber nur 3 Rollenreste der Höhle 4 (4QIsab, 4QIsac, 4QIsad) weisen wenige Verse aus Jesaja 53 auf; lediglich 4QIsad verdient überhaupt Beachtung. Ansonsten sind nur die beiden Rollen aus Höhle 1 von Interesse, wobei 1QIsaa fast vollständig erhalten ist, während von 1QIsab vielleicht noch die Hälfte von Jesaja 53 dem Verfall entgangen ist. 1QIsaa ist nicht nur wegen ihrem ungewöhnlich guten Erhaltungszustand bemerkenswert, sondern sie ist auch eine der älteren Rollen aus Qumran. Sie kann durchaus 100Jahre älter als Jesus sein und sogar die kleine Jesaja Rolle datiert ungefähr in die Zeit Jesu. Bei dieser Rolle ist bemerkenswert, dass sie gegenüber mittelalterlichen Handschriften so wenig Varianten aufweist wie der Vergleich von 2 Handschriften aus dem Mittelalter untereinander ergibt. Dagegen hat die große Jesaja Rolle eine sehr verwilderte Schreibung und hat auch keine Hemmungen, kleine Textänderungen vorzunehmen, wenn so nach ihrer Meinung der Text verständlicher wird. Sie ist sehr frei im Umgang mit ihrer Textvorlage, weshalb sie sehr interessant ist, soll das Textverständnis geklärt werden. Die Benennung große und kleine Jesaja Rolle bezeichnet nur den Erhaltungszustand der Rollen, die erhaltenen Stücke der kleinen Rolle gehören zu Deuterojesaja, während aus dem ersten Teil nur Fragmente ubriggeblieben sind. Vokalbuchstaben - das sind Konsonanten, die eine Aussprache von Vokalen angenommen haben - , sind zum Teil noch spärlicher gesetzt als im massoretischen Text, dem mittelalterlichen hebräischen Text. Die große Jesaja Rolle dagegen setzt reichlich Vokalbuchstaben, insbesondere das Waw, mit dem die Vokale o und u angezeigt werden, etwas seltener auch das Jod, mit dem ein i oder e angedeutet wird. Diese häufige Pleneschreibung ist geradezu ihr Charakteristikum: Die Konsonanten werden als „matres lectionis“ (=Lesemütter) eingesetzt, um eine Hilfe für die richtige Aussprache anzubieten. Bei den Anmerkungen zur Übersetzung von Bardtke wird das für Jesaja 53 angesprochen.

 

Der Zweck des folgenden Fotos wird bei der Eigenen Übersetzung der großen Jesaja Rolle bei der Anmerkung zu Vers 53,10 erklärt. Es wird versucht, dem Leser die Unsicherheit meiner Lesung des Textes der Rolle aus Qumran verständlich zu machen. Mein Foto wird dort wiederholt. Das gewöhnliche Mem ist markiert. Bei den beiden Worten links davon (sie sind durch einen Zwischenraum getrennt) ist jeweils der letzte Buchstabe links ein Schluss-Mem (=Mem Sofit). Der Unterschied zu dem markierten Buchstaben ist leicht zu erkennen.

Hermann Hain Juli 2014

1QIsaa Jesaja 53,10
1QIsaa Jesaja 53,10