Einen schnellen Überblick über die „Septuaginta“ zu Jesaja 53 sollen diese Zeilen vermitteln. LXX ist die übliche Abkürzung, denn das lateinische Wort „Septuaginta“ bedeutet übersetzt einfach nur „Siebzig“; somit entspricht es der Darstellung mit römischen Zahlen. Es wird nämlich behauptet, dass die Übersetzung von 70 Leuten angefertigt wurde.

Eine Definition der Septuaginta gebe ich in folgenden Sätzen: 

Septuaginta (LXX) ist die griechische Übersetzung des hebräischen Alten Testamentes. Sie wurde sehr oft im Neuen Testament zitiert und hatte auf die neutestamentlichen Schriften größeren Einfluss als die hebräischen Schriften selbst. Denn auch das Neue Testament ist in griechischer Sprache überliefert. Dass die Septuaginta von 70 (die Abkürzung LXX entspricht ja 70 in römischen Zahlzeichen) Personen vom hebräischen Original in die griechische Version übersetzt wurde, wird im Aristeasbrief beschrieben, der die Entstehung der Septuaginta schildert. Das ist ein Forschungszweig für sich, der nicht beachtet wird.

Auf der Unterseite biete ich eine eigene Übersetzung von ISAIAS 52,13-53,12an. Markiert sind dort jeweils die Stellen, die vom hebräischen Text abweichen.

Einige wesentliche Anmerkungen zum übersetzten Text. Die Septuaginta haben Jesaja 53 keiner Person zuordnen können, aber eine Übersetzung versucht, die für die Zeitgenossen zu verstehen war. Das Kreuz Jesu gehörte noch in die Zukunft. Ganz eindeutig aber siehen sie eine Einzelperson im Gottesknecht. Sie haben keine Kollektivdeutung (Knecht= idealisiertes Israel) versucht, die bei den Juden im Mittelalter aufkam. Aber die Verständnisprobleme sind nicht zu übersehen. Vers 4 wurde geradezu „modern“ übersetzt. Es würde auch in unsere Zeit passen, die Sündenlast dem Gottesknecht zu lassen, aber die Heilung „dezent“ zu verschweigen, weil es auch äußerlich zu sehen ist. Matthäus 8,17 jedenfalls hat nicht die Septuaginta zitiert, sondern einen anderen griechischen Text, der dem hebräischen Original näher steht und eine klarere Aussage hat. Aber 1. Petrus 2,24 hat sich stärker an die LXX angelehnt, ohne dass es aber den Sinn entstellt. Nach meiner Einschätzung auf einer wirklichen Fehlübersetzung baut Paulus seine Argumentation in Römer 10,16 auf, wo er Jesaja 53,1 nach LXX zitiert (Herr, wer glaubt unserm Predigen?). Es ist kein Predigen zu anderen Personen, sondern nach der Aussage des hebräischen Wortes eine im Prophetenlager gehörte Mitteilung. Wenn jemand mit Texten argumentiert, muss es auch eine Überprüfung bestehen. Bei uns heute ist es ja dasselbe Problem: Wenn jemand „Luther“ zitiert, werden auch dessen Übersetzungsfehler ihm angelastet. Wie sehr die Septuaginta die „Bibel des Paulus“ war, aber nicht die Biblia Hebraica, lässt sich leicht daran erkennen, dass auch in Römer 15,21 ein Zitat aus Jesaja 52,15 nach dem Wortlaut der LXX vorliegt. Durch Vermittlung der LXX wurde über die Vorkommen in der Apostelgeschichte der „Knecht“ zu einem besonderen Würdenamen Jesu, denn das griechische „Pais“ bedeutet nicht nur Knecht, sondern auch Kind. Die LXX war die wichtigste Version der Bibel am Anfang der Christenheit. Sie haben eine noch größere Bedeutung als die Lutherbibel im Mittelalter für deutsche Christen. Gelegentlich wird auch das anstößige „besprengen“ in 52,15 mit Verweis auf die Übersetzung der LXX „über ihn staunen“ beseitigt; aber das ist gerade das Gegenteil von einem gesunden textkritischen Verhalten: es ist ohne Probleme nachvollziehbar, dass auch die LXX dieses Wort aus dem Opferkult beseitigen wollte, aber gerade dadurch ist es als „schwierige Lesart“ geschützt. Die Lesart der LXX ist völlig wertlos! Dass die LXX sogar gegen christliche Deutung übersetzen, lässt sich deutlich an 53,9 erkennen. Nach christlicher Lesart steht hier an 2 Stellen eine Präposition („bei“). Die LXX übersetzen die gleichlautende „Nota accusativi“, wodurch nicht der Knecht das Grab bekommt, sondern die Übeltäter. Das wurde später die jüdische Lesart.

    Wer sich weiter auf diesem Gebiet informieren möchte, sollte „Septuaginta Deutsch“ in die Suchmaschine eingeben. Vor wenigen Jahren wurde eine Gesamtübersetzung der Septuaginta veröffentlicht: Septuaginta Deutsch: Das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung [Martin Karrer (Herausgeber), Wolfgang Kraus (Herausgeber)

Deutsche Bibelgesellschaft; 2., verb. Aufl. 2009]