Jesaja 53 beschreibt das Kreuz Jesu

Mir hat im Gespräch einmal jemand gesagt: Ich kann es nicht verantworten, Jesaja 53 auf Jesus zu beziehen. Für mich gilt dagegen: Ich will es nicht verantworten müssen, Jesaja 53 nicht auf Jesus zu beziehen! Nur Jesus kann heilen, weil er mit seinem Blut dafür bezahlt hat. Der Teufel meinte, am Kreuz zu siegen, aber mit der Auferstehung Jesu kam die Niederlage des Teufels. Die Macht des Teufels ist Krankheit, ohne irgendeine Ausnahme. Der Teufel bestiehlt Menschen auch noch in anderen Bereichen, doch in der Krankheit fühlt er sich besonders heimisch.

Das Reich Gottes gehört in die Gegenwart. Nicht in die Vergangenheit, wenn auch Jesus vor 2000 Jahren begonnen hat, die Gegenwart des Reiches Gottes zu verkündigen. Nicht in die Zukunft, wenn dieses Reich auch kein Ende hat.

Im Reich Gottes gibt es keine Krankheit, denn die Macht des Teufels endete am Kreuz. Dort ist er gerichtet worden.

Jesus hatte alle Herrlichkeit, als er auf der Erde für jeden sichtbar war. Nur wenige Tage ist das Bild Wahrheit, das in Jesaja 53 gemalt wird: Als Jesus alle unsere Schuld und Krankheit an das Kreuz empor hob, wo sie abgeladen sind.

Die paar Sätze, die ich hier zusammengestellt habe, sind recht pauschal in ihrem Urteil. Es soll sich niemand überfordert fühlen. Mein eigenes Leben ist noch weit davon entfernt, keine Krankheit mehr zu kennen. Krankheit habe ich schon als Kind als Feind empfunden, denn gerade in der Zeit, als ich meine ersten intensiven Erfahrungen mit der Bibel machte, hatte sich ein Jugenddiabetes eingestellt, gegen den ich heute noch kämpfe. Gerade deshalb lasse ich die Aussagen der Bibel in ihrer Pauschalität stehen, weil es eine Hilfe ist, Glauben zu entwickeln. Wenn jemand in seinem Feind noch versteckt einen Freund sieht, wird der Kampf dagegen schon in seinen Anfängen schwierig. Aber es ist ein Segen, dass die Bibel in zentralen Aussagen nur schwarz und weiß kennt, aber keine Übergänge.

Jesaja 53 ist ein Text, der in seiner Auslegung auf Jesus in sich geschlossen ist, wie es bei keinem anderen Text im Alten Testament der Fall ist. Viele Stellen dort sind auf Jesus deutbar, aber sie sprechen über Personen und Geschehen, die in ihrer Zeit eingeordnet werden können. Bei Jesus laufen die Ereignisse gewissermaßen ein zweites Mal ab. Die Prophezeiungen sind „gebraucht“. Jesaja 53 ist nur wirklich überzeugend und in sich geschlossen auf das Kreuz Jesu zu beziehen. Alle anderen Auslegungen – es wurden schon viele versucht – haben nicht diese Überzeugungskraft.

 

 

Mensch wird Gott

Es ist mir schwer gefallen, eine knappe, treffende Überschrift für diesen Exkurs zu finden, die die richtigen Erwartungen des Lesers weckt. Der unmittelbare Ursprung ist, dass mir sehr viele Übersetzungen zu Jesaja 52,14 nicht gefallen haben, weil sie die Außergewöhnlichkeit der Aussage nicht erfassen, sondern durch Ergänzungen verdecken.

Luther übersetzt schon 1545: „Das sich viel vber dir ergern werden / weil seine Gestalt heslicher ist / denn ander Leute / vnd sein Ansehen / denn der Menschen kinder“. Die Revision 1984 (1964) ist inhaltlich völlig identisch; es werden nur sprachliche Anpassungen vorgenommen: „Wie sich viele über ihn entsetzten, weil seine Gestalt hässlicher war als die anderer Leute und sein Aussehen als das der Menschenkinder“. Andere Übersetzungen enthalten andere Ergänzungen, machen aber genau denselben Denkfehler, folgen also wohl unbewusst den Spuren Luthers. Menge (1926/1949), Zürcher (1931) und Schlachter (1952) zitiere ich mit der entscheidenden Stelle: Menge: „so entstellt, nicht mehr einem Manne ähnlich war sein Aussehen“. Zürcher: „so entstellt, nicht mehr menschlich war sein Aussehen“. Schlachter: „so sehr war sein Angesicht entstellt, nicht mehr wie das eines Menschen“. Alle Übersetzungen haben unausgesprochen im Hinterkopf, dass das Kreuz einen Menschen – Jesus – entstellt, so dass er hässlicher wird als andere Menschen. Luthers „andere Leute“ suggeriert schon diesen Vergleich mit Menschen. Das „mehr“ der anderen Übersetzungen drückt das in eine zeitliche Dimension (vorher menschlich – jetzt unmenschlich), die ebenfalls sprachlich nicht begründet ist.

Wortwörtlich sagt der Text nur, dass der Knecht schlimmer entstellt ist als ein Mensch. Genau das – aber auch nicht mehr – ist gemeint! Der Knecht ist nicht hässlicher als ein anderer Mensch, sondern in der direkten Verbindung mit unserer Schuld so hässlich, wie es überhaupt kein Mensch sein kann. Es wird kein Mensch beschrieben, der durch schlechte Behandlung hässlicher gemacht wurde als andere Menschen, sondern jemand, der eine Last trägt, die überhaupt kein Mensch tragen kann. JHWH selbst hat sich zum Sklaven (Knecht) gemacht wegen der Schuld von uns Menschen; bereits in den Anmerkungen zu 52,13 habe ich Jesaja 43,24 zitiert, wo JHWH sich zum Sklaven (Knecht) wegen der Sünden seines Volkes machen lässt. Kein antiker Grieche hätte es gewagt, seinen Gott Zeus so erbärmlich zu machen, dass er Knecht für Menschen wird. Mensch ist Mensch und Gott ist Gott. Die Grenze wird nicht überschritten. Nur einen winzigen Moment ist zwischen Gott und Mensch nicht mehr zu unterscheiden. Gott trägt unsere Schuld und Krankheit und der Mensch Jesus ist mit ihm verschmolzen, weil er am Kreuz hängt. In diesem Moment geschieht auch die Erlösung der Menschheit, weil in Christus jeder mitstirbt, der an ihn glaubt. In seiner Auferstehung ist auch jeder Glaubende mit auferstanden. An Jesaja 53 habe ich die Liebe Gottes für uns Menschen erkannt.

 

Herr ist Jesus
Herr ist Jesus

Jesus ist nicht nur der „Knecht JHWHs“. An anderer Stelle wird er Lehrer und Herr genannt. In Johannes 13,13 ist bei der Fußwaschung eine Bestätigung für diese Bezeichnungen als Herrenwort überliefert: „Ihr nennt mich Lehrer und Herr, und ihr sagt es richtig; ich bin es nämlich“. Das sagt er, als er ihre Füße wäscht. Vielleicht sollte sogar formuliert werden: weil er ihre Füße wäscht. Auf der sozialen Leiter steht der Knecht/Sklave unten, aber der Herr oben. In Gottes Reich hat die Beziehung von Knecht und Herr ihr eigenes Gesetz. Ganz besonders deutlich wird das in Mt 20,27 (//Mk 9,35): „Wer auch immer unter euch der Erste sein will, soll euer Knecht/Sklave sein“. Auch dieses Wort ist als Herrenwort überliefert, doch gerade für Jesus selbst hat diese Bestimmung ihre volle Wahrheit; er nimmt sich nicht aus. Er erlitt das Kreuz, wurde Knecht aller Menschen und trug Sünde und Krankheit, damit die beiden Lasten, die der Teufel auflädt, beseitigt werden. „Herr ist Jesus“ wurde im Urchristentum zum Bekenntnis(1.Kor 12,3). Das ist im obigen Bild aufgeführt.